Warum du dringend einen Notgroschen brauchst & wie du ihn ganz einfach ansparst

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Manchmal ist das Leben eine läufige Hündin und schmeißt uns eine Ladung Knochen hin, die wir nie wollten, die uns in alle möglichen Richtungen überfordern und wo wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen mit aufräumen.

In comes the Notgroschen.

Wenn du noch keinen Notgroschen hast, dann verbiete ich dir jetzt mit all meiner Macht (also keiner, aber ich will demonstrieren wie wichtig das hier ist und dass du unbedingt weiterlesen muss), wegzuklicken. Lies weiter. Und dann stehst du auf und folgst den paar einfach Schritten, aus dem Beitrag. Und ich schwöre dir, dass du nächste Nacht viel besser schläfst.

Notgroschen aka Ruhiger Schlaf Groschen

Der Notgroschen ist ein bestimmter Betrag, den wir auf einem separaten Tagesgeldkonto für Notsituationen parken. Unter Notfälle verstehen wir tatsächliche Situationen, in denen fehlendes Geld unsere Existenz bedrohen könnte. Das kann z.B. sein, wenn du deinen Job plötzlich verlierst, dein Auto kaputt geht, ohne das du nicht zur Arbeit kannst oder du plötzlich hohe private Gesundheitskosten hast.

In diesen Situationen hilft dir der Notgroschen, kleine, mittelgroße und große Katastrophen finanziell zu überbrücken. Bis du wieder auf die Beine kommst. Er verhindert, dass du (neue) Schulden aufnehmen muss. Er ermöglicht es dir, dich auf andere Dinge zu konzentrieren und nicht auf die finanziellen Aspekte. Der Druck wird dadurch spürbar kleiner.

Gleichzeitig gibt dir der Notgroschen ein sehr großes Maß an Freiheit. Denn er kann dich retten, wenn du aus einer Beziehung gehen musst, die für dich nicht mehr erträglich oder gar gefährlich ist. Außerdem gibt er dir die Möglichkeit, einen Job zu kündigen, der dich krank macht.

Mit dem Wissen, dass die Katastrophen des Lebens dir zumindest mittelbar finanziell nichts anhaben können, lässt dich nachts ruhiger schlafen (deswegen sage ich auch Ruhiger Schlaf Groschen).

Zu wissen, dass ich finanziell so abgesichert bin, dass ich einige Monate ohne Job über die Runden komme, war für mich ein entscheidender Faktor, Grenzen zu ziehen und meine Gesundheit zu schützen.

Ab welcher Summe schläfst du nachts ruhiger?

Die Summe, die du in deinem Notgroschen zurücklegen solltest, muss auf deine Lebenssituation passen. Normalerweise sagt man, 3-6 Monate der Lebenshaltungskosten sollten abgedeckt sein.

Oder anders gefragt: Wie viele Monate willst du von deinem Notgroschen im Notfall leben können?

Das ist eine sehr individuelle Frage, in die auch das eigene Sicherheitsgefühl mit hineinspielt. Ich kann/konnte zum Beispiel 12 Monate die absolute Basisvariante meiner Lebenshaltung abdecken.

Eine neue Tasche ist kein Notfall

Nun noch kurz zur Frage, was eigentlich ein Notfall ist. Notfälle sind unerwartete Ereignisse, die wir nicht vorher kommen sehen konnten, weswegen wir nicht auf sie sparen konnten.

Beispiel: Dein Gehalt würde es zulassen, dass du auf ein neues Auto sparst (aber du schaffst es halt einfach nicht). Du willst aber uuunbedingt ein neues, also zapfst du deinen Notgroschen an. Nanana. Nein. Bilde ausreichend Rücklagen und spare fleißig, bis du dir das Auto leisten kannst.

Anders herum: Du bist auf was Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Dann geht es plötzlich kaputt und du hast keine anderen Rücklagen, um entweder die Reparatur oder ein neues Auto zu bezahlen. Damit ist deine Existenz gefährdet. Also ran an den Notgroschen, ohne zu zögern.

Wie du deinen Notgroschen ansparst

Wie viele Monate willst du damit abdecken können? Spiele ein bisschen mit den Zahlen. Vielleicht kannst du mit einer Summe 10 Monate überleben, aber 8 Monate gut leben.

Fühle in dich hinein: gibt dir dein Ziel ein Gefühl der Sicherheit (du spürst das vielleicht an einem kleinen Kribbeln, einem Lächeln auf deinen Lippen)? Wenn nicht, dann runde noch auf.

Achtung: Weniger als 3 Monate ist absolut nicht empfehlenswert!

Im nächsten Schritt gibt es zwei Varianten, die davon abhängen, wie viel Geld du monatlich zur Verfügung hast (und nachdem du deine Basics wie Miete bezahlt hast, aber bevor du shoppen warst).

Wenn das Geld sowieso schon knapp ist:

Mache dein Budget für deine Lebenshaltung (Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Gesundheit), also alle Dinge, die du jeden Monat zahlen musst. Deine Existenz.

Rechne aus, wie viel Geld du monatlich auf deinen Notgroschen einzahlen kannst und dann, wie lange du brauchst, um deinen Notgroschen zu füllen.

Wenn dein Gehalt zwischen ganz ok und eigentlich gut liegt:

Setze dir ein Ziel, bis wann du deinen Notgroschen aufgebaut haben möchtest. Dann teilst du die Zielsumme durch die verbleibenden Monate und erhältst so deinen monatliche Sparsumme für deinen Notgroschen.

Der Notgroschen sollte nicht auf deinem Girokonto lagern. Denn da ist er in Gefahr. Zu einfach wäre es, ihn unüberlegt oder unbedacht auszugeben. Auf einem Tagesgeldkonto hast du auch sehr schnell Zugriff auf ihn, kannst ihn aber nicht beim Shopping ausgeben. Ein Tagesgeldkonto ist kostenlos (leider auch mit wenig Zinsen) und ist schnell eingerichtet. Vielleicht hast du auch schon eines, das mit deinem Girokonto verbunden ist und es muss nur aktiviert werden.

Für deine Sparsumme richtest du einen Dauerauftrag ein, bis der Notgroschen voll ist.

Und dann: Hände weg!

Achtung: die fehlenden Zinsen auf einem Tagesgeldkonto könnten dich dazu verleiten, das Geld anders anzulegen. Der Sinn eines Notgroschens ist aber, dass du schnell Zugriff hast, was bei anderen Möglichkeiten, wie man sein Geld verwerten kann, meist nicht der Fall ist.

 

Denk daran, ihn auch wieder aufzufüllen 😉

Noch ein paar Gedanken und Erfahrungen

Der Notgroschen war das erste, was ich gemacht habe, als ich angefangen habe, mich mit meinen Finanzen zu beschäftigen. Ein paar Jahre später kann ich sagen, dass das den größten psychologischen Effekt auf mich hatte. Denn mit dem Notgroschen verschwindet auch die Angst vor Katastrophen und ich wurde selbstbewusster, weil ich wusste, dass ich jederzeit ungute Situationen verlassen kann.

Schon bevor ich meine Schulden abbezahlt habe, habe ich zumindest eine Basisvariante des Notgroschens gehabt. Einfach, weil der Schuldenabbau schon genug mentale Belastung ist. Das Wissen, dass ich trotz finanzieller Misere auch in Notsituationen keine neuen Schulden machen musste, war da wirklich viel Wert. Ich habe zuerst 3 Monatsgehälter gespart, bevor ich mit dem Schuldenabbau begonnen habe.

Ein gefüllter Notgroschen war auch das erste Erfolgserlebnis. So einfach es auch ist, sich das Ziel zu setzen und dann dank Dauerauftrag wie von alleine die Kasse zu füllen, so sehr hat es mir doch auch das erste Mal das Gefühl gegeben, dass ich meine Finanzen in den Griff bekommen kann.

In diesem Sinne: you got this!

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